Nachlese - Elfter interkommunaler Erfahrungsaustausch
Steinhalle Lannach | 15. Oktober 2025
Am 15. Oktober 2025 lud das Referat Abfall- und Ressourcenwirtschaft zum mittlerweile 11. Interkommunalen Erfahrungsaustausch in die Steinhalle Lannach ein. Mehr als 100 Vertreter und Vertreterinnen von Gemeinden und Abfallwirtschaftsverbänden folgten der Einladung, um gemeinsam über aktuelle Herausforderungen und Chancen in der Abfall- und Kreislaufwirtschaft zu diskutieren.
Von der Praxis - für die Praxis
Wie bereits in den vergangenen Jahren stand der Erfahrungsaustausch unter dem Motto „Von der Praxis für die Praxis". Ziel der Veranstaltung ist es, Erfahrungen, erfolgreiche Projekte und neue Erkenntnisse direkt an Bürgermeister, Bürgermeisterinnen, Amtsleiter und Amtsleiterinnen sowie weitere fachlich befasste Personen in den Gemeinden und Abfallwirtschaftsverbänden weiterzugeben - und so nachhaltige Lösungen in die Gemeinden zu tragen.
Die folgende Nachlese wurde vom Veranstalter im Nachgang zur Veranstaltung erstellt und fasst die einzelnen Beiträge kurz zusammen.
In seiner Keynote betonte Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Roland Pomberger von der Montanuniversität Leoben die zentrale Rolle der Abfallwirtschaft auf dem Weg zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft - heute und in Zukunft. Unter Hinweis auf die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie, das ÖWAV-Positionspapier zur Rolle der Abfallwirtschaft in der Kreislaufwirtschaft sowie das österreichische Regierungsprogramm 2025 - 2029 erörterte er Handlungsmöglichkeiten und Herausforderungen. Zielgerichtete Maßnahmen im Abfallmanagement umfassen:
- Maßnahmen, um Angebot und Nachfrage von Sekundärrohstoffen zu stärken (d.h.: bessere Rahmenbedingungen für die Herstellung qualitativ hochwertiger Sekundärrohstoffe, verpflichtende Einsatzquoten für Recyclate, Bevorzugung von Sekundärrohstoffen in der öffentlichen Beschaffung, Kriterien für ein vorzeitiges Abfallende)
- Erweiterung und Modernisierung von Sortier- und Recyclinganlagen
- Informationsaustausch entlang der Wertschöpfungskette von Materialien (vom Produktdesign bis hin zur erzielten Trennqualität in der Abfallsammlung)
Die Materialflüsse in Österreich zeigen, dass das größte Potenzial für die Kreislaufwirtschaft im Baubereich und in der Industrie liegen. Im kommunalen Bereich sind die Reduktion von Rest- und Sperrmüll wesentlich und eine differenzierte Sammlung in den ASZ/Ressourcenparks von zunehmender Bedeutung.
Mag. Dr. Ingrid Winter, Leiterin des Referats Abfall- und Ressourcenwirtschaft des Landes Steiermark, präsentierte eine Bilanz der steirischen Abfallwirtschaft. Das Aufkommen der Siedlungsabfälle und die hier erzielte Recyclingquote wurden der Vision des Landes-Abfallwirtschaftsplans Steiermark 2024 „Kreislaufwirtschaft Steiermark 2050" gegenübergestellt. Mit der zuletzt berechneten Recyclingquote von 70 % (Datenbasis 2019) lag die Steiermark im Vergleich mit dem österreichweiten Durchschnitt und anderen Bundesländern im Spitzenfeld. (Anmerkung: Die neue Berechnung mit Datenbasis 2023 war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen.) Herausfordernd ist hingegen nach wie vor das Siedlungsabfallaufkommen, für das trotz leichten Rückgangs in den letzten Jahren bis 2030 eine Zunahme prognostiziert wurde. Im Gegensatz dazu wäre zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft ebenso wie zum Erreichen europäischer Zielvorgaben eine deutliche Reduktion des Abfallaufkommens in diesem Zeitraum erforderlich. Aufbauend auf einer grundsätzlich positiven Bilanz des bisher Erreichten wurden im Ausblick die weiteren geplanten Impulse für eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft skizziert.



Ein besonderer Höhepunkt des Tages war die feierliche Verleihung der „Goldene Müllpanther"
durch Landesrätin Simone Schmidtbauer. Mit diesen Auszeichnungen werden herausragende
Leistungen in der steirischen Abfallwirtschaft gewürdigt.
Die Preisträger/Preisträgerinnen 2025:
Kategorie „Vorbildliche Gemeinde"
Gemeinde Söding-St. Johann - für das engagierte Vorantreiben der Abfallvermeidung,
insbesondere mit dem innovativen „Kost-nix-Laden" im Gemeindeamt.
Kategorie „Vorbildlicher Abfallwirtschaftsverband"
Abfallwirtschaftsverband Leibnitz - für das konsequente Beschreiten neuer Wege bei
der Sammlung von Wiederverwendbarem, wie etwa der „Steiermarkflasche" oder im
Umgang mit besonderen Abfällen (z.B.: getrennte Sammlung von invasiven Neophyten).
Kategorie „Vorbildliche Abfallberaterin / vorbildlicher Abfallberater"
Ing. René Hochegger (AWV Murau) - für sein großartiges Engagement bei der Umsetzung
von „G'scheit Feiern" und der Etablierung von Repair-Cafés im Verbandsgebiet
Wir gratulieren allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich!
Der erste Bericht aus der Praxis der Abfallsammlung widmete sich der neuen Verpackungssamlung. Dipl.-Ing. Andreas Pertl, Geschäftsführer der VKS (Verpackungskoordinierungsstelle Österreich), beleuchtete die Umstellung auf die gemeinsame Sammlung von Leicht- und Metallverpackungen über den gelben Sack/die gelbe Tonne, die ab 01.01.2025 österreichweit einheitlich umzusetzen war. In der Steiermark betraf diese Umstellung alle Gebiete außer den Bezirk Liezen. Ausgehend von den Gründen für die Umstellung (insbesondere das gleichzeitig eingeführte Einwegpfand und damit verbunden die Notwendigkeit einer Optimierung der Logistik) wurden Befürchtungen und beobachtete Schwierigkeiten (z.B. Überbefüllung von Behältern in Einzelfällen) thematisiert. Bezüglich Entwicklung der Sammelmengen und Erfüllen der Recyclingquoten zeigte sich schon eine positive Tendenz; erste abgesicherte Erkenntnisse werden aber erst mit Anfang 2026 vorliegen. Zum Abschluss wurden die Initiative „Österreich sammelt" und ihre aktuelle Trennkampagne vorgestellt.
Die Erfahrungen mit der getrennten Sammlung von recyclingfähigen Abfällen im Abfallwirtschaftsverband Schladming wurden vom Geschäftsführer Dipl.-Ing. Josef Mitterwallner geteilt. Nach der Vorstellung der Eckdaten des Abfallwirtschaftsverbandes Schladming wurden Einblicke in die aktuelle Sammlung im ASZ am Zentralstandort Aich gewährt. Durch die Umsetzung einer hohen Sortiertiefe (Sammlung von mindestens 80 Fraktionen, darunter z.B. Kerzenwachs, CDs und Brillen), einer hohen Kundenfrequenz und gestiegene sicherheitstechnische Anforderungen war eine Anpassung der stationären Sammlung dringend erforderlich. Die zum damaligen Zeitpunkt aktuellen Planungen und Vorarbeiten für die Errichtung eines „Ressourcenparks" inkl. Re-Use-Zone, Platz für Quellensortierung und Zwischenlagerung für eine optimierte Logistik, Erweiterung des Service-Angebots für die Bevölkerung (z.B. Schulungsraum für Betriebe, Tourismus und Schulklassen) etc. wurden im Kontext der Leitziele - höhere Recyclingquoten, höhere Attraktivität für die Bevölkerung und eine Reduktion der Entsorgungskosten - erläutert.
Was eine qualitätsvolle Sammlung von Baum- und Strauchschnitt aus Sicht des Abfallwirtschaftsverbandes Knittelfeld ausmacht, vor allem aber, wie sie in der Praxis so umgesetzt wurde, dass im Vergleich der steirischen Abfallwirtschaftsverbände die höchsten Sammelmengen erreicht wurden, berichtete Claudia Hörbinger, Abfallberaterin im Abfallwirtschaftsverband Knittelfeld. Betrieben werden 60 öffentliche Strauchschnittsammelstellen (entspricht durchschnittlich einer Sammelstelle pro 500 Einwohner/innen), die in Summe rund 3.000 Mal pro Jahr entleert werden. Im Sinne einer bürgerfreundlichen Sammlung sind die Sammelstellen jederzeit zugänglich. Die so erzielten Sammelmengen an Baum- und Strauchschnitt lagen in den letzten sechs Jahren stabil bei rund 7.000 Tonnen pro Jahr. Durch die Herstellung von Bio-Grünschnittkompost in einer regionalen Kompostieranlage werden der natürliche Stoffkreislauf geschlossen und hochwertiges Recycling umgesetzt.
Die Verwertungsmöglichkeiten von Aushubmaterialien, des größten Abfallstroms in Österreich wie auch in der Steiermark, wurden von Dipl.-Ing. Dr. Kerstin Pfandl, BSc, Referentin im Referat Abfall- und Ressourcenwirtschaft, Land Steiermark, erläutert. Die fachlichen Grundlagen im Hinblick auf die erforderlichen Qualitäten für verschiedene Anwendungsbereiche sind im Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2023, Teil 1, Kapitel 4.7 festgelegt. Wesentliche Aspekte für die Verwendung von Aushubmaterialien bei Erdbaumaßnahmen und Bodenrekultivierungen, wie geeignete Materialien, Qualitätsklassen und Einsatzbereiche, Kleinmengenregelung und die erforderliche Dokumentation, wurden zielgruppenorientiert erläutert. Schließlich wurde ein Ausblick auf die geplante „Aushubverordnung" des Bundes, welche zur Erhöhung der Rechtssicherheit beitragen und ein vorzeitiges Abfallende ermöglichen soll, gegeben.
Ein leider seit vielen Jahres top-aktuelles Thema der Abfallwirtschaft ist das Gefährdungspotenzial durch nicht sachgerecht entsorgte Lithium-Ionen-Akkus und Batterien. Neben dem Verlust an potenziellen Sekundärrohstoffen führten die unsachgemäß entsorgten Li-Akkus/Batterien alleine im Zeitraum Juli bis August 2025 zu mehreren großen Bänden in österreichischen Entsorgungsunternehmen. Dieses Problem kann nur durch eine massive Erhöhung der Sammelmengen gelöst werden. Um die Rücklaufquote zu erhöhen, wurde im Jahr 2023 ein Pilotversuch in Kooperation des Verbandes österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) und des Abfallwirtschaftsverbandes Feldbach, gefördert auch durch das Land Steiermark, durchgeführt. David Baar BSc BSc, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbandes Feldbach, berichtete über die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren im Pilotprojekt BATTINCENTIVE, das letztendlich zur Rückgabe von mehr als 425 größeren Akkus über Händler in der Pilotregion Feldbach und den Ressourcenpark Feldbach führten. Als besonderer Anreiz für die Rückgabe von Li-Ionen-Akkus wurde die Rückgabe mit einem „8-Städte-Gutschein" für einen Einkauf in der Region in Höhe von zehn Euro honoriert. Das Pilotprojet zeigte einen deutlichen Erfolg dieser gezielten Incentivierung, welche für eine breitere Umsetzung empfohlen wurde.
Wir danken allen Teilnehmenden für ihr Interesse und die vielen anregenden Diskussionen!





























