Die Steiermark auf dem Weg zu Kreislaufwirtschaft?

ONLINE FACHSEMINAR im Zuge des EU-Projektes PLASTECO

Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt "ImKreiSt"

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zur Website© interregeurope.eu/plasteco

Das Land Steiermark gab dem  Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben den Auftrag, die Implementierung der europäischen Kreislaufwirtschaftsziele im regionalen Kontext der Steiermark zu untersuchen. Im Zuge dessen wurden Teilstudien verfasst und im Rahmen eines Online-Fachseminars am 22. Juni 2020 vorgestellt. Es war besonders von Vorteil, dass die Teilstudien und ihre Ergebnisse bei dieser Veranstaltung direkt mit den VerfasserInnen diskutiert werden konnten. Insgesamt dauerte das Fachseminar drei Stunden und die Geschehnisse sollen nun in Kürze zusammengefasst werden.

Die ersten Studien widmeten sich der Analyse und der Findung von Lösungsansätzen zur verbesserten Umsetzung des EU-Kreislaufwirtschaftspaketes. Hier wurde ein besonderer Fokus auf die EU-Kunststoffstrategie gelegt.

Roland Pomberger. Einführung zur Studie "ImKreiSt"

Nach der Begrüßung durch Frau Dr. Ingrid Winter, als Leiterin des Referates " Abfall- und Ressourcenwirtschaft" (Abteilung 14, Land Steiermark), startete Herr Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.mont. Roland Pomberger, Leiter des Lehrstuhls für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben mit einer Einführung in das Projekt " ImKreiSt - Implementierung der europäischen Kreislaufwirtschaftsziele durch kooperative Strategien in der Steiermark".

Sonja Aspeck: Recyclingquotenentwicklung in der Steiermark 1993 - 2017

Um einen Überblick über die Entwicklung der Siedlungsabfallwirtschaft und der  Recyclingquoten in der Steiermark im Zeitraum von 1993 bis 2017 zu bekommen, präsentierte Frau Sonja Aspeck BSc BSc, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben ihre Teilstudie. Sie gab dabei auch Prognosen für die Recyclingquotenentwicklung in der Steiermark sowie auf Bezirksebene bis 2025, 2030 und 2035 ab. Mit den Methoden "RIL-Tenärdiagramm" sowie der "Kartographischen Visualisierung" konnte die Recyclingquotenentwicklung in der Steiermark analysiert werden. Die Untersuchungen ergaben eine massive Entwicklung der Quoten innerhalb der gemischten Siedlungsabfälle in der Steiermark (auf Landes- und Abfallwirtschaftsverbandsebene) und zwar zum Positiven. Zwischen 1993 und 2017 hat sich die Recyclingquote von Siedlungsabfällen in der Steiermark von ursprünglichen 50% um 9 % erhöht.

Laut den Prognosen der Vortragenden sei zudem bis 2025 mit einer Recyclingquote von 64% bei Siedlungsabfällen, sowie bis 2030 mit einer Quote von 67% zu rechnen. Bis ins Jahr 2035 soll diese Recyclingquote sogar auf bis zu 70% steigen. Zuletzt fasste Frau Aspeck BSc BSc noch die Einflussfaktoren auf die Recycling- und Sammelquotenentwicklung sowie die Maßnahmen der Erhöhung der Recycling-Ziele zusammen.

Dominik Huter: Beitrag der Steiermark zum Marine Littering

Nach einigen Fragen und einer kurzen Diskussion zu diesen ersten beiden Vorträgen, folgte Herr Dominik Huter BSc BSc BA, ebenfalls Mitarbeiter am Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben, mit seiner Präsentation zu den Ergebnissen der zweiten Teilstudie mit dem Titel " Beitrag der Steiermark zum Marine Littering". Herr Huter untersuchte die zu erwartenden Kunststoff-Emissionen der Steiermark sowie die relevantesten Quellen, Lager und Senken dieser. Außerdem erforschte er, welche Eintragspfade besonders relevant sind und wie sich die Transferraten der Kunststoff-Emissionen in Oberflächengewässer und das Meer abschätzen lassen. Als relevante Kunststoffemissionsquellen in der Steiermark nannte Herr Huter

  • mit 45% Littering,
  • mit 36% Reifenabrieb,
  • sowie mit 6% Kunstrasen,
  • mit 4% Schuhe, und
  • Wäsche mit 3%, sowie
  • Kompost ebenfalls mit 3% und
  • Innenraumstäube sowie Fahrbahnmarkierungen mit jeweils 2%.

Festzuhalten ist außerdem, dass eine Vergleichbarkeit der Emissionen in die Umweltkompartimente über Landesgrenzen hinweg möglich ist.

Martin Wellacher: Umsetzung der EU-Kunststoffstrategie in der Steiermark

Nachdem auch diese Präsentation und aufkommende Fragen im Publikum diskutiert wurden, fuhr Herr Mag. Dr. Martin Wellacher als nächster Mitarbeiter am Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben mit seinem Vortrag fort. Der Vortragende sprach über die Teilstudie zur " Umsetzung der EU-Kunststoffstrategie in der Steiermark". Er beschäftigte sich unter anderem mit der Ausgangslage hinsichtlich des Aufkommens und der Behandlung von Kunststoffabfällen in der Steiermark, sowie mit der Frage, welche Potentiale es für die Vermeidung, die Vorbereitung zur Wiederverwendung und das Recycling von Kunststoffabfällen in der Steiermark gibt.

Genauso fasste er zusammen, welche technischen und organisatorischen Möglichkeiten für den Umgang mit Kunststoffabfällen bestehen und welche Maßnahmen empfohlen werden können, um die EU-Kunststoffstrategie in der Steiermark erfolgreich umzusetzen. Im Zuge dieser Studie wurden 19 Maßnahmen erarbeitet, um dieses Ziel zu erreichen. Als empfohlene Maßnahmen wurden zum Beispiel eine Erhöhung des abfallwirtschaftlichen Budgets, sowie vermehrte Bewusstseinsbildung, Ökodesign von Produkten, Mehrweg statt Einweg und die Einforderung der erweiterten Herstellerverantwortung genannt.

Karl Friedrich: Technologische Entwicklungen in der sensorgestützten Sortierung und Robotik und ihre Auswirkungen auf die Abfallbehandlungsverfahren in der Steiermark

Es folgte die letzte Präsentation einer Teilstudie, vorgestellt von Herrn Dipl.-Ing. Karl Friedrich BSc als Mitarbeiter am Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben. Herr Friedrich referierte über " Technologische Entwicklungen in der sensorgestützten Sortierung und Robotik und ihre Auswirkungen auf die Abfallbehandlungsverfahren in der Steiermark". Anhand von Literaturrecherche und Interviews mit globalen Herstellern von Sortiertechnologien, sowie Sortieranlagebetreibern in der Steiermark, wurde das Potential von innovativen sensorgestützten Sortier- und Roboter-Technologien in der steirischen Abfallwirtschaft aufgezeigt.

Auch hier hörten die TeilnehmerInnen des Fachseminars dem Vortragenden gespannt zu und stellten nach der Präsentation ihre Fragen an ihn.

Abschluss

Nach drei Stunden vollgepackt mit Informationen zur Implementierung der europäischen Kreislaufwirtschaftsziele im steirischen Kontext, verabschiedete Frau Dr. Ingrid Winter die TeilnehmerInnen mit dem Hinweis auf das anschließende Stattfinden des zweiten regionalen Stakeholder Meetings im Zuge des Projekts PLASTECO. Alle TeilnehmerInnen des Fachseminars waren herzlich eingeladen, an diesem Meeting teilzunehmen und kamen dieser Einladung auch mehrheitlich nach. Es lässt sich also zusammenfassend sagen, dass nicht nur die Vorstellung des Forschungsprojekts "ImKreiSt", sondern auch das Netzwerken und PLASTECO Projektupdate äußert erfolgreich verliefen.

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