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Pilotprojekt „Retourmöbel Steiermark“

Aus alt mach neu!

Kooperationsvereinbarung unterschrieben!

zum TV-Beitrag © südsteiermark.tv
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Das vom Lebensressort initiierte Projekt verfolgt das Ziel, gebrauchte Möbel von KundInnen des Möbelhandels einer zweiten Nutzungsphase zuzuführen, indem diese Waren von sozialen Integrationsunternehmen (SIUs) erneut zum Verkauf in deren Shops zu sozial fairen Preisen vorbereitet werden. Damit sollen Ressourcen geschont, Abfälle vermieden, Arbeitsplätze geschaffen, Armut verringert und regionale Wertschöpfung erhalten werden. Am 13. März 2012 unterzeichneten als Projektpartner die Möbelhäuser KIKA & LEINER, soziale Integrations-Unternehmen gemeinsam mit dem Land Steiermark eine Externe Verknüpfung Kooperationsvereinbarung und bekundeten damit die Teilnahme an einem Pilotprojekt für die Dauer eines Jahres.

 Radio Steiermark am 13. März 2012
Die Kooperationspartner © Maninger
Die Kooperationspartner
© Maninger

Um die aktuelle Situation allgemein und die Möglichkeiten der Warenbeschaffung für die SIUs in der Steiermark zu verbessern, hat die Fachabteilung 19D - Abfall- und Stoffflusswirtschaft des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung gemeinsam mit den sozialen Integrationsunternehmen (SIUs) und den Möbelhäusern KIKA & LEINER ein Pilotprojekt für Kooperation über ein Jahr ausgearbeitet. Im Rahmen dieses Projektes sollen wirtschaftliche Logistiklösungen zur Rückführung und Reparatur von gebrauchten Möbeln von Kundinnen und Kunden die im Zuge des Neukaufs von Möbeln entwickelt und erprobt werden.

Ressourcenschonung durch Weiterverwendung!

Die Verknappung von Ressourcen sowie durch den Verbrauch auftretende negative Auswirkungen auf die Umwelt erfordern eine nachhaltige Nutzung dieser Ressourcen sowie die Entkoppelung des Wirtschaftswachstums von der Ressourcennutzung und der daraus resultierenden Umweltschädigung. Die Abfallwirtschaft strebt eine funktionierende Kreislaufwirtschaft an, welche zum Ziel hat, Abfälle als Ressourcen zu nutzen und auch die Vermeidung von Abfällen mit einschließt. Gemäß EU-Abfallrahmenrichtlinie ist Abfallvermeidung quantitativ und qualitativ zu sehen. Unter „Abfallvermeidung" sind daher alle Maßnahmen zu verstehen, die ergriffen werden, bevor ein Produkt zu Abfall geworden ist. Wiederverwendung und/oder Weiterverwendung von Produkten bewirken durch Verlängerung der Lebensdauer eine Reduktion der anfallenden Abfälle.

Wie aus der Studie „Re-Use Steiermark" (2010) des Ökologieinstitutes hervorgeht, belaufen sich die für die Steiermark prognostizierten Mengen an wiederverwendbaren Gebrauchtwaren aus den Abfallströmen Altmöbeln, Elektroaltgeräte und Alttextilien auf etwa 4.000 Tonnen pro Jahr.

Gebrauchte Möbel werden im Zuge der Rückgabe und Lagerung bzw. Zwischenlagerung leider allzu oft unsachgemäß behandelt, sodass sich eine weitere Bearbeitung für den Wiederverkauf nicht lohnt, oder eine Wiederverwendung grundsätzlich nicht mehr möglich ist. In den Shops von SIUs könnten derzeit weit mehr Waren umgesetzt werden, als an brauchbarer Rohware für die Vorbereitung zur Weiterverwendung bzw. -verkauf erhältlich ist.

Bilder von der Pressekonferenz

Retourmöbelv.l.n.r.:Präsident Franz Küberl (Caritas), Landesrat Johann Seitinger (Lebensressort)KooperationspartnerPartner: kika Leiner / LebensressortInitiator der Kooperation: Hofrat DI Dr. Wilhelm Himmel (Land Steiermark FA19D)v.l.n.r.: Paul Koch (MBA; Gf und Inhaber kika/Leiner), HR DI Dr. Wilhelm Himmel (Land Steiermark FA19D)v.l.n.r.: Paul Koch (MBA; Gf und Inhaber kika/Leiner), HR DI Dr. Wilhelm Himmel (Land Steiermark FA19D)v.l.n.r.: Mag. Christian Wolf (SIUs), Präsident Franz Küberl (Caritas)v.l.n.r.: Mag. Christian Wolf (SIUs), Präsident Franz Küberl (Caritas)Kooperationsvertrag UnterzeichnungKooperationsvertrag UnterzeichnungKooperationsvertrag Unterzeichnung

Statements

Möbelhäuser KIKA & LEINER
Geschäftsführer Paul Koch (MBA)

Als Geschäftsführer von Kika und Leiner freut es mich sehr, dass wir als exklusiver Vertreter des Möbelhandels an diesem Pilotprojekt teilnehmen dürfen! Es bedeutet nämlich eine Win-Win Situation für alle Beteiligten: Durch die Rücknahme von Altmöbeln, die sonst entsorgt würden, wird unnötiger Abfall vermieden und damit die Umwelt geschont. Durch die Aufbereitung und Restaurierung werden Arbeitsplätze geschaffen und durch die günstige Abgabe von Möbeln an sozial bedürftige Menschen wird jenen geholfen, die sich sonst vielleicht keine Möbel leisten könnten. Doch auch unsere Kunden sind dabei Gewinner: Viele trennen sich lieber von liebgewonnenen, aber nicht mehr gebrauchten Gegenständen, wenn sie wissen, dass diese einem anderen Menschen noch Freude bereiten werden. Das Pilotprojekt „Retourmöbel Steiermark" ist also ein rundum tolles Nachhaltigkeits-Projekt und ich freue mich, dass es bereits im Vorfeld ein sehr positives Echo von unseren MitarbeiterInnen und Kunden dazu gab!

Landesrat Johann Seitinger
Möbel, die dem einen nicht mehr ins Wohnkonzept passen, sind für den anderen oft eine willkommene und perfekte Ergänzung seiner Einrichtung! Nicht selten werden voll funktionstüchtige und noch sehr schöne Möbelstücke zu „Abfall", weil sie einfach nicht mehr gefallen, oder nicht mehr in den Raum passen...
Das war uns Anlass, im Sinne der Nachhaltigkeit mit den Möbelhäusern KIKA und LEINER sowie sozialen Integrationsunternehmen eine „Retourmöbel-Partnerschaft" ins Leben zu rufen und so einen wichtigen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu leisten.

Die Retourmöbel-Partnerschaft wird auch ein integrativer Bestandteil des steirischen „Re-Use-Netzwerkes" sein. Bis 2015 wollen wir in jeder steirischen RegioNext-Region zumindest einen sozialökonomisch geführten Re-Use Shop für den Handel mit gebrauchten/reparierten Gütern einrichten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Netzwerkbildung und die Kooperation zwischen Altstoffsammel-zentren bzw. Abfallwirtschaftsverbänden (AWV) und im Re-Use Bereich tätigen sozialen Integrationsunternehmen. „Aus alt mach neu" wird so vom Schlagwort zur gelebten Realität.


Mag. Christian Wolf, BAN Graz
gemeinsamer Vertreter der sozialökonomischen Betriebe (SÖB)
Ausgangspunkt für unsere steirische Kooperation mit den Unternehmen Kika/Leiner war der Umstand, dass die Nachfrage vor allem nach Gebrauchtmöbeln größer war als unser Angebot, wir aber gleichzeitig wissen, dass viele brauchbare Gegenstände - oft bedingt durch das Nichtwissen über Alternativen - weggeworfen werden. Diese Kooperation bringt einen Mehrwert in folgenden Punkten:

  • Möbelstücke werden wiederverwendet, dadurch wird das Abfallaufkommen verringert. Gleichzeitig ist es für viele Menschen ein gutes Gefühl, wenn Dinge wiederverwendet werden, die sie zwar nicht mehr benötigen, welche aber noch funktionstüchtig sind.
  • Bestimmte Kundengruppen erhalten mit Second Hand Möbeln ein zusätzliches Angebot, welches eine Erweiterung der derzeitigen Produktpalette darstellt. 
  • Durch den Verkauf der Möbelstücke schaffen bzw. sichern wir Arbeitsplätze für Menschen, die arbeiten wollen und derzeit schwer auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können.


Hofrat Dipl.-Ing. Dr. Wilhelm Himmel - Nachhaltigkeitskoordinator des Landes Steiermark A14 - Abfallwirtschaft und Nachhaltigkeit vormals FA19D
Die Wiederverwendung von Gütern aller Art ist aufgrund der Vorgaben aus der EU-Abfall-Rahmenrichtlinie neben dem Ziel der Abfallvermeidung das zweite wichtige Ziel der Abfallwirtschaft. Gemäß dem Landes-Abfallwirtschaftsplan Steiermark 2010 sollen noch gebrauchsfähige Güter über geordnete Strukturen erfasst und allenfalls nach einer Reparatur- und Ausbesserungsarbeiten dem Gebrauchtwarenmarkt zugeführt werden. Über definierte Qualitätskriterien will man sich dabei deutlich von „Flohmarktwaren" unterscheiden.


Präsident Franz Küberl, Caritas Steiermark
Die Caritas ist sehr erfreut über diese neue Kooperation, die von den Partnern aus der Wirtschaft ebenso mitgetragen wird, wie vom Land Steiermark und von den Sozialen Integrations-Unternehmen (SIU). Diese derart verfasste Kooperation ist wirklich vorbildlich und beispielgebend.
Als Caritas sind wir sehr gerne mit dabei, weil uns die Nachhaltigkeit ein großes Anliegen ist. Vor allem, weil Nachhaltigkeit ja nicht nur eine ökologische und eine ökonomische, sondern auch eine menschliche und eine soziale Dimension hat.

Denn Nachhaltigkeit bedeutet auch, eine Arbeitswelt zu gestalten, in denen ältere ArbeitsnehmerInnen ihren Platz haben, an dem sie Wertschätzung und Selbstbestätigung erlangen können.
Die Caritas betreibt in der ganzen Steiermark insgesamt 15 Carla-Läden. (Zwei weitere sind in Planung) Second Hand ist ein immer stärker nachgefragter Trend, auch viele Jugendliche gehen gerne und oft bei Carla einkaufen, weil sie dort gute Qualität zu einem fairen Preis bekommen. Auch wirtschaftlich besser gestellte KundInnen werden bei Carla häufig bei der Suche nach Raritäten fündig.

Der wirkliche Mehrwert bei Carla ist aber, dass langzeitbeschäftigungslosen Personen auf diesem Weg eine sinnvolle Tätigkeit und ein niederschwelliger Zugang zum Arbeitsmarkt geboten werden kann. Derzeit beschäftigt die Caritas in der Steiermark rund 150 Personen in dem Bereich Sachspendenverwertung. Ihre Tätigkeitsfelder reichen von der Sammlung von Waren, über Sortierung, Transport und Entsorgung bis hin zu Waren-Aufbereitung und Verkauf.
Die Caritas verkauft diese Möbel und Sachspenden wie alle anderen SIU zu einem fairen Preis. Auf diesem Weg werden die oben genannten Arbeitsplätze finanziert. Allfällige Überschüsse werden für die Finanzierung von weiteren sozialen Projekten herangezogen. Zudem gibt die Caritas Sachspenden auch kostenlos an Bedürftige weiter. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung in der Steiermark. Und es ist auch ein Weg, der einen Ausstieg aus der Verschwendung eröffnet, die unsere Gesellschaft leider immer noch viel zu sehr bestimmt. Die nachhaltige Verwendung von Sachspenden ist somit ein intelligenter Beitrag zum Management des Überflusses.

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