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"Goldenes" Zeitalter Müll: Eine sozial-ökonomische Zukunftschance

Presseinformation vom 22.02.2017

Sorgenkind wird zur ökonomischen Chance!

Univ-Prof. Dr. Roland Pomberger, LR Ök.-Rat Hans Seitinger, DI Dr. Wilhelm Himmel © Büro LR Seitinger / Scherübl
Univ-Prof. Dr. Roland Pomberger, LR Ök.-Rat Hans Seitinger, DI Dr. Wilhelm Himmel
© Büro LR Seitinger / Scherübl

Ein ehemals großes ökologisches Sorgenkind wurde zu einer zukunftsträchtigen ökonomischen Chance - die steirische Müllwirtschaft

Müll ist längst nicht mehr nutzloser Unrat, sondern Dank Recycling, Reuse, Recovery und modernem Ressourcen-management ein wertvoller Rohstoff.

Die Tatsache, dass auf EU-Ebene Lenkungsmaßnahmen in Richtung Recycling angestrebt werden, verlangt nach verstärkten verfahrens- und verwertungsorientierten wissenschaftlichen Lösungen. Zum andern erfordern diese neuen Herausforderungen aber auch grundlegende Veränderungen im Bereich der abfallwirtschaftlichen Infrastruktur.

LR Ök.-Rat Hans Seitinger: Ökologische und soziale Verantwortung wahrnehmen

"Wenn das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Arbeitsproduktivität war, dann muss das 21. Jahrhundert jenes der Ressourcenproduktivität werden."

Bei einer prognostizierten Weltbevölkerung von knapp neun Milliarden Menschen im Jahr 2030 und einer rasanten ökonomischen Entwicklung der Schwellenländer, nimmt die Nachfrage nach Rohstoffen weiterhin stark zu. Deshalb ist es ein Gebot der Stunde, uns dringend auf langfristiges Denken, auf nachhaltige Strategien und ‚enkeltaugliches‘ Handeln umzustellen, um zukunftsfähig zu bleiben.

Mit dem Produkt Müll muss noch viel Wertvolleres passieren, als es einfach nur zu deponieren oder zu verbrennen. Dank Abfall können wir in der Steiermark eine zukunftsfähige regionale Wirtschaftskraft mit großer sozialer Beteiligung entfachen. Wir haben die fachliche Kompetenz und auch die erforderliche breite Motivation dazu!

"Recycling über die gesamte Wertschöpfungskette" heißt deshalb unser gesellschaftspolitischer Auftrag, wenn wir die weit über 500.000 Tonnen Müll - Problemstoffe und Elektroaltgeräte noch gar nicht eingerechnet - in Rechnung stellen, die hierzulande jährlich anfallen. Hier gilt es innovativ weiterzudenken und neben ökonomischen Faktoren (Geld verdienen mit unserem Abfall-Know-How!) auch seine ökologische (Klimaschutz!) und soziale Verantwortung (Trennmoral, mehr Re-Use-Shops und bürgernahe Ressourcenparks!) im Sinne unserer gemeinsamen Daseinsvorsorge wahrzunehmen.

Abfall- und Ressourcenwirtschaft im Green Tech Cluster  

Rund 20 % der Clusterpartner sind im Bereich der Abfall- und Ressourcenwirtschaft tätig und tragen etwas mehr als 20% zu den 4,42 Mrd. € Umsatz aus dem Bereich Umwelttechnik der Clusterpartner bei. Trotz schwieriger Rohstoffmärkte zeigt die Start-up-Szene der steirischen Abfallwirtschaft, dass der Mut zu Investitionen und Innovationen vorhanden ist.

Als Landesrat für Abfallwirtschaft und Verantwortlicher des "Lebensressorts" in der Steiermärkischen Landesregierung bin ich mehr denn je der festen Überzeugung, dass eine Gesellschaft, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst ist, einen Mehrwert für sich und die künftigen Generationen schafft.

Univ.Prof. Dr. Roland Pomberger: Recycling wird großes europäisches Ziel

"Die EU Recyclingziele werden eine große Herausforderung. Im Vergleich zu anderen Ländern startet die Steiermark aber aus der Poleposition."

Kreislaufwirtschaft, auch "Circular Economy" genannt, ist eines der großen umweltpolitischen Ziele der EU. Derzeit ist das europäische Abfallwirtschaftspaket in der Endverhandlung und es ist ziemlich sicher, dass neue „ambitionierte Ziele" für Recycling festgesetzt werden. So sollen bis 2030 65 % des Siedlungsabfalls und 75 % der Verpackungen recycled werden.

Diese Ziele sind sogar für Österreich eine Herausforderung, allerdings haben wir im Vergleich zu fast allen anderen EU Ländern eine viel bessere Ausgangslage. Vor großen Herausforderungen stehen insbesondere die Länder in Süd- und Osteuropa, aber auch große EU Mitglieder wie Spanien, Italien oder Frankreich haben noch viel aufzuholen. Gerade die Steiermark startet quasi aus der "Poleposition", da die getrennte Sammlung sich auf hohem Niveau befindet und damit hohe Sammelmengen und Qualitäten bereits heute erreicht werden können.

Allerdings sind die neuen Recyclingquoten auch für Österreich und die Steiermark eine Herausforderung. Abschätzungen und Studien gehen davon aus, dass zukünftig zwischen 35.000 und 56.000 Tonnen mehr Altstoffe pro Jahr gesammelt und verwertet werden müssen. Die zusätzlichen Mengen müssen durch bessere getrennte Sammlung, insbesondere aus dem Rest- und Sperrmüll aufgebracht werden. Die getrennte Sammlung und die Mitarbeit der Bürger und Bürgerinnen in der Abfallwirtschaft werden wieder wichtiger. Durch diese Verbesserungen können auch positive Effekte im Klimaschutz und bei der Energieeffizienz erreicht werden.

HR DI Dr. Wilhelm Himmel: vom Altstoffsammelzentrum zum Ressourcenpark

"Die aktuellen Erfordernisse gehen in Richtung regionaler Abfallwirtschaftszentren, sogenannter Ressourcenparks. Diese garantieren - im Gegensatz zu kleinen dezentralen Einheiten - hohe fachliche"Kompetenz des Personals, bürgerfreundliche Öffnungszeiten und die Erfüllung größtmöglicher Sicherheitsstandards."

Mit der Gemeindestrukturreform wurden die ersten Schritte gesetzt, um im Bereich der kommunalen Abfallwirtschaft von der bisherigen Kirchturmpolitik abzurücken. Das Abfallaufkommen steigt noch immer an und die Komplexität der Abfälle in ihrer Beschaffenheit nehmen zu. Die Elektronikanwendungen bringen eine Vielfalt an Elektro- und Elektronikschrott, für die wir gut funktionierende Sammel- und Verwertungssysteme brauchen werden.

Dem Schlagwort "Kaufen für die Müllhalde" sind Maßnahmen entgegen zu setzen - wertbeständiges Reparieren und die Weiterverwendung sind Gebote der Stunde. Mit der Website Externe Verknüpfung www.reparaturfuehrer.at gibt es bereits eine gut etablierte Plattform, die seitens des Landes Steiermark und von der steirischen Wirtschaft gut mitgetragen wird.

Bezüglich der Sammelinfrastruktur hat das Land mit einer Studie der TU-Graz, Institut für Gebäudelehre (Univ.-Prof. Gangoly) die Grundlagen erstellt, an denen sich Abfall-wirtschaftsverbände und Gemeinden orientieren können. Eine breitere sortenreine Sammlung verwertbarer Abfallfraktionen, bürgerfreundlichere Öffnungszeiten über die gesamte Woche einschließlich samstags und die Erfüllung der technischen Sicherheitsstandards mit Abfallberatung, integrierten Re-Use Shops vor Ort und die Möglichkeit zur Veranstaltung von Repair Cafes zeichnen diese neuen Ressourcenparks aus. Diese sind professionell geführte abfallwirtschaftliche Zentren, welche künftig Hochglanzbroschüren zur Mülltrennung entbehrlich machen.


Mag. Peter Bermann, Büro Landesrat Johann Seitinger, Tel. (0316) 877-4093, Mobil: 0676-86664093, E-Mail: peter.bermann@stmk.gv.at

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