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FALSCHE MÜLLTRENNUNG VERURSACHT MILLIONENKOSTEN

Presseinformation vom 10.10.2016

Einsparungspotential liegt bei mehr als 20 Millionen Euro

v.l.n.r.: LR Johann Seitinger, Dr. Christian Schreyer (Geschäftsführer der steirischen Abfallwirtschaftsverbände), Robert Tulnik (Geschäftsführer der ARGE Kompost & Biogas), KoR Daniela Müller-Mezin (Obfrau der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement, WKO Steiermark) und DI Dr. Wilhelm Himmel (Land Steiermark, Abteilung 14) © Lebensressort / honorarfrei
v.l.n.r.: LR Johann Seitinger, Dr. Christian Schreyer (Geschäftsführer der steirischen Abfallwirtschaftsverbände), Robert Tulnik (Geschäftsführer der ARGE Kompost & Biogas), KoR Daniela Müller-Mezin (Obfrau der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement, WKO Steiermark) und DI Dr. Wilhelm Himmel (Land Steiermark, Abteilung 14)
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LR Johann Seitinger, KoR Daniela Müller-Mezin (Obfrau der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement, WKO Steiermark) © Lebensressort / honorarfrei
LR Johann Seitinger, KoR Daniela Müller-Mezin (Obfrau der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement, WKO Steiermark)
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Die Steiermark zählt zwar zu den international führenden Ländern im Umgang mit Abfällen und Ressourcen und hat sich in den letzten Jahren ein umfangreiches Know-how in der Ressourcen- und Recyclingwirtschaft erarbeitet. Dennoch gibt es nach wie vor erhebliches Verbesserungs- und Einsparpotenzial. Das bestätigen auch Untersuchungen der Montan-Universität-Leoben zur Erreichung der EU-Recyclingziele 2030, wonach Österreich für die Zielerreichung, auch aufgrund neuer Berechnungsmethoden, noch einiges zulegen muss. Permanente Informationen zur richtigen Abfallsammlung sind daher unerlässlich.

Landesrat Johann Seitinger:Würden wir unseren Abfall korrekt trennen, könnten wir für die Bürger in der Steiermark jährlich mehr als 20 Millionen Euro einsparen. Biomüll und Verpackungen gehören eben nicht in den Restmüll, Plastiksäcke auch nicht in den Biomüll."

Biomüll nicht in den Restmüll

Die Restmüllzusammensetzung wird vom organischen Abfall dominiert, der etwa einem Drittel der Gesamtmasse entspricht. Eine Detailbetrachtung der Restmüll-Analyse zeigt, dass in Gebieten mit Biotonne der Anteil der Fehlwürfe mehr als doppelt so hoch ist, als in Gebieten mit Einzel- und Gemeinschaftskompostierung. Daraus lässt sich ableiten, dass die Anonymität, insbesondere bei großen Wohnhausanlagen, ein Problem für die Fehlwurfanfälligkeit im Restmüll darstellt. Aber nicht nur der fälschlich in den Restmüllbehälter eingeworfene Biomüll bringt Probleme mit sich, sondern auch der Anteil an Störstoffen in der Biotonne.   

Biomüll fehlerfrei sammeln

Beim falschen Anteil im getrennt gesammelten Biomüll (Biotonne) handelt es sich hauptsächlich um Kunststoffsäcke, in denen der Biomüll im Haushalt vorgesammelt wird. Eine der Ursachen dafür sind die sogenannten „biologisch abbaubaren" oder „kompostierbaren" Kunststoffsäcke aus Mais- oder Kartoffelstärke. Des Weiteren sind die sogenannten biologisch abbaubaren Kunststoffsäcke in ihrem Rotteverhalten nicht mit organischem Biotonnenmaterial vergleichbar, weil der Abbau bis zu 2 Jahre dauern kann. Diese sind somit Störstoffe in der offenen Mietenkompostierung. 

Dr. Christian Schreyer, Geschäftsführer der steirischen Abfallwirtschaftsverbände: „In der Praxis kommt es zu einer Vermischung von Bioabfalleinstecksäcken, von Tragetaschen auf Maisstärkebasis und solchen auf Mineralölbasis. Durch die längere Rottezeit der „biologisch abbaubaren" Kunststoffsäcke hat der Kompostierer sämtliche Säcke, egal welcher Herkunft, per Hand zu entfernen. Eine Sortierung in „gute" und „schlechte" Kunststoffsäcke ist nicht durchführbar."

Zur Erreichung der Recyclingziele könnte eine saubere Trennung beim Biomüll einen wesentlichen Beitrag leisten. In keiner anderen Alt- oder Wertstoff-Fraktion steckt dermaßen hohes Potential, auch im Hinblick auf dessen Klimarelevanz (CO2-Bindung in Humus)."

Kompost wertvoller Rohstoff

Kompost ist der wertvollste und hilfreichste Rohstoff für einen nachhaltigen Humusaufbau, der den Boden schützt und nährt. Ein nachhaltiger Bodenaufbau ist die sinnvollste Alternative zur derzeitigen Tendenz, dass wir in Österreich täglich mehr als 20 Hektar fruchtbaren Boden verlieren.

Robert Tulnik, Geschäftsführer der ARGE Kompost & Biogas: „Mit diesem Rohstoff können wir eine gesunde Humusschicht im Boden aufbauen. Ein guter Boden liefert gesunde Pflanzen mit nährstoffreichen Früchten. Mein Dank gilt all jenen, die ihren Bioabfall bereits so trennen, dass dieser nachhaltig in Kompostbetrieben weiterverwendet und somit guter Kompost produziert werden kann."

Informationskampagne für bessere Trennmoral: Apfelputzen-Razzia

Das Land Steiermark startet gemeinsam mit den Abfallwirtschaftsverbänden, der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement der Wirtschaftskammer Steiermark und der ARGE Kompost & Biogas eine Kampagne unter dem Titel „Apfelputzen-Razzia" zur Vermeidung von Plastik und anderen Fehlwürfen in der Biomüllsammlung. Damit soll einerseits die Qualität der Bioabfallsammlung erhöht und zum anderen der Anteil an biogenen Abfällen im Restmüll verringert werden. Dafür werden entsprechende Informationsmaterialien und Aufkleber mit der Aufschrift „Kein Plastik" für die Biomülltonnen bereitgestellt.

KoR Daniela Müller-Mezin, Obfrau der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement, WKO Steiermark: „Der steirischen Entsorgungswirtschaft mit ihren 120 privaten Entsorgern ist die Sensibilisierung, Aufklärung und Motivation der Öffentlichkeit richtig Müll zu trennen und das gilt natürlich auch für Bioabfall, ein großes Anliegen. Und das nicht nur, weil Fehlwürfe mitunter für jeden Steirer die Entsorgungskosten verdoppeln können, sondern auch deshalb, weil wir uns als private steirische Entsorgungswirtschaft seit jeher der Innovation und dem Recycling verschreiben haben. Die steirischen Entsorgungsunternehmen haben im letzten Jahr 46 Mio. Euro in Innovation investiert, wir sind in vielen Segmenten Weltmarktführer und wir wollen diesen Weg im Interesse der steirischen Wirtschaft aber vor allem auch im Interesse einer weiterhin lebenswerten Steiermark gemeinsam mit den Steirerinnen und Steirern weitergehen. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir als steirische Entsorgungsunternehmen die „Apfelputzen-Razzia" der Arge Kompost Biogas und der Abfallverbände Österreich gerne unterstützen".

Ausbildung zum Abfallberater light

Eine  weitere Unterstützung zur Verbesserung der Mülltrennung wird mittels einer 3-teiligen kostenlosen Schulung zum „Abfallberater light" angeboten. In Zusammenarbeit zwischen dem Land Steiermark, der ARGE Müllvermeidung, dem Servicebüro „zusammen >wohnen<" und den Abfallwirtschaftsverbänden werden abfallwirtschaftliche Grundkenntnisse ebenso vermittelt, wie wertvolle Tipps und Hinweise für eine zielführende Kommunikation im unmittelbaren Wohnumfeld (z.B. in großen Wohnsiedlungen). Der nächste Kurs startet am 14. Oktober 2016 - Anmeldungen noch in der Abteilung 14  des Landes Steiermark mittels E-Mail unter: abfallwirtschaft@stmk.gv.at möglich.  Zusätzlich werden Abfalltrenninformationen in mehr als 20 Sprachen zur Verfügung gestellt, um auch Menschen mit Integrationshintergrund über die richtige Mülltrennung zu informieren.

 


Mag.(FH) Andreas Kirsch, Pressesprecher, Büro Landesrat Johann Seitinger, Tel. (0316) 877-2816, Mobil: 0676-86662816, E-Mail: andreas.kirsch@stmk.gv.at