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Müllverwiegung zur verursachergerechten Gebührengestaltung

Projektträger

Auftraggeber: Amt der Stmk. Landesregierung - FA19D für Abfall- und Stoffflusswirtschaft
Auftragnehmer: Firma Saubermacher, Graz
Beteiligte Gemeinden: Bärnbach, Feldkirchen, Seiersberg, Straß, St. Veit am Vogau, Unterpremstätten, Werndorf, Gosdorf, Bairisch-Kölldorf
Projektlaufzeit: Jänner 1992 bis Dezember 1993

Zusammenfassung und Ergebnisse

Ergebnisse zum Praxistests:

  • Anzahl der durchgeführten Wiegungen: rd. 47.000
  • Gesamte verwogene Abfallmenge: 802 Tonnen
  • Fehlerhafte Behältererkennung: 1.500 mal
  • Schadhafte Behältermarkierungen: keine
  • Wiegefehler (größte Abweichung) 5 %
  • Ausfall des Gesamtfahrzeuges: 4 Tage

Die Praxisergebnisse zeigen, daß das Lesesystem im ersten Versuchshalbjahr eine Fehlerrate von etwa 5 % aufgewiesen hat. Durch entsprechende Justierungen konnte die Fehlerrate im zweiten Halbjahr auf rd. 1,5 % gesenkt werden. Weiters hat sich gezeigt, daß mit Ausfällen gerechnet werden muß und dafür auch entsprechend Vorsorge zu treffen ist. Wenn kein Ersatzfahrzeug verfügbar ist (das war der Fall), so muß z.B. in der Müllabfuhrordnung geklärt werden, wie zu verfahren ist, wenn von einzelnen Sammeltouren keine Wiegedaten vorliegen (z.B. könnten Durchschnittswerte der vorangegangenen Abfuhrzyklen herangezogen werden).

Die Kosten der Müllverwiegung:
Die Aufwand für die Verwiegung einer 1.100 Liter Tonne ist der gleiche wie für die Verwiegung einer kleinen 80 Liter Tonne. Um zu einer gerechte Aufteilung der Wiegekosten in Bezug auf die einzelnen Gefäßgrößen zu kommen, wurde ein Tarifsystem entwickelt, bei dem auch unterschiedliche Entleerungsfrequenzen berücksichtigt werden.

Der Einfluß der Müllverwiegung auf die Restabfallemenge:
Die Auswirkung der Müllverwiegung auf das gesammelte Restmüllaufkommen hat ein interessantes Ergebnis erbracht. Die Gemeinden haben die gewogenen Müllmengen in durchaus unterschiedlicher Weise in die Berechnung der Müllgebühr einbezogen. So hat z.B. die Bärnbach zwar am Pilotversuch teilgenommen, die Gebührenverrechnung jedoch noch nicht auf die gewichtsmäßig erfaßten Restmüllmengen umgestellt. Konträr dazu wurden in der Gemeinde Bairisch Kölldorf die Müllgebührenverrechnung am deutlichsten auf die gewogenen Restmüllmengen umgestellt.

In der Gemeinde Feldkirchen war nur ein Viertel der Bevölkerung an die Müllverwiegung angeschlossen. Das hier erzielte Sammelergebnis von 48 kg/EW.a weicht eklatant von dem in der Gemeinde anfallendem Restabfallaufkommen von 108 kg/EW.a ab. Die Spreizung der Sammelergebnisse von 221 kg Restmüll/EW.a (Bärnbach) bis 28 kg/EW.a (Bairisch Kölldorf) läßt erkennen, daß in Gemeinden ohne Gebührenanreiz noch erhebliche Biomüllmengen im Restmüll enthalten sind, anderseits eine zu hohe Gewichtung der gewogenen Müllmengen wiederum Anreize zur "Entsorgung im Wald" vermittelt.

Bürgerbefragung im Herbst 1992
Im Oktober 1992 wurden die an die Müllverwiegung angeschlossenen Haushalte mittels anonymen Fragebogen aufgefordert, folgende Fragen zu beantworten:

  • Sehen Sie in der Müllverwiegung eine gerechtere Lösung für die Verrechnung der Müllgebühren (Ja / Nein) ?
  • Bei Verwiegung des Restmülls entstehen bei unveränderter Müllmenge jährliche Mehrkosten im Ausmaß von xx ATS pro Container. Befürworten Sie auch unter diesem Aspekt die Müllverwiegung (Ja / Nein) ?
  • Kennen Sie Ihre derzeitigen Müllgebühren (Ja / Nein) ?
  • Haben Sie seit Beginn der Müllverwiegung Ihr Einkaufsverhalten verändert (Ja / Nein) ?
  • Haben Sie seit Beginn der Müllverwiegung die Altstoffe gewissenhafter getrennt (Ja / Nein)?
  • Wieviel Prozent Ihres Abfalls ließe sich bei perfekter Trennung noch einsparen ?
  • Sind Sie mit den Möglichkeiten zur Mülltrennung in Ihrer Gemeinde zufrieden (Ja / Nein) ?
  • Befürworten Sie die Einführung der Biotonne in Ihrer Gemeinde?
  • Schätzen Sie die Kosten für 1 kg Restmüll (Abfuhr und Deponierung) ?
  • Wünschen Sie Informationsveranstaltungen zur Müllgebührenberechnung?

Rund 23 % der Haushalte haben den Fragebogen ausgefüllt und retourniert. Bezogen auf die abgegebenen Antworten

  • sind 87 % der Auffassung, daß mit der Verwiegung eine gerechte Lösung zur Aufteilung der Müllgebühren gefunden werden kann
  • befürworten immerhin noch 67 % (bezogen auf die antwortenden und somit aktiven und umweltbewußten Haushalte!) die Einführung der Müllverwiegung, auch wenn dadurch Mehrkosten zu erwarten sind !
  • wird von 53 % der Haushalte angegeben, daß sie die Höhe ihrer Müllgebühr kennen. Es ist in bemerkenswert, daß rund die Hälfte der umweltinteressierten Haushalte die Höhe der Müllgebühren nicht kennt!
  • haben etwa 47 % der Haushalte beim Einkauf ihr Verhalten geändert und achten hier bereits verstärkt auf die Vermeidung von Abfällen.
  • haben 65 % der Haushalte ihr Verhalten bei der Mülltrennung geändert und halten nunmehr bewußter Altstoffe und biogene Abfälle vom Restmüll fern.

Dieses Projekt hat in den Pilotgemeinden sehr zur Verbesserung des Informationsstandes über die Mülltrennung und über die Höhe und Gestaltung der Müllgebühr beigetragen.

Anforderungen an die Müllgebührengestaltung
Aus den Ergebnissen im Pilotversuch und den Ergebnissen der steirischen Abfallerhebung 1992 werden für die Müllgebührengestaltung folgende Systemgrenzen als sinnvoll erachtet:

  • Die Reduktion des spezifischen Restmüllaufkommens unter einen Wert von 80 kg/EW.a bleibt bei der Gebührenbemessung unberücksichtigt
  • Das Mindestabfuhrvolumen muß so ausgelegt sein, daß die Entsorgung von 80 kg Restmüll pro EW über die Müllabfuhr problemlos garantiert werden kann. Diese Abfallmenge entspricht einem spezifischen Abfuhrvolumen von rd. 400 Liter/EW.a.

Projektziele

Ziel dieses Projektes war die "Einzelgefäßverwiegung" in der Praxis zu testen. Sofern die gewichtsbezogenen Daten als Grundlage zur Berechnung der Müllgebühr herangezogen werden, muß ein derartiges System die erforderliche Verläßlichkeit im Alltagsgebaruch nachweisen (Verlaß auf die Elektronik sowohl im Sommer als auch im Winter, korrekte Wiegung auch bei nicht waagrecht stehenden Müllfahrzeug, verläßliche Identifizierung der einzelnen Mülltonnen usw.).

Ein weiteres Ziel war die Entwicklung eines Gebührenmodells, bei dem untersucht werden sollte, im welchen Ausmaß (Gewichtung) die gewogenen Müllmengen bei der Höhe der Müllgebühr berücksichtigt werden sollte. Bei zu hoher Gewichtung der gewogenen Müllmenge besteht die Gefahr, daß in einem zu hohen Ausmaß Anreize zur ungeordneten Müllentsorgung vermittelt werden, bei zu geringer Gewichtung kommt der Vorwurf, daß das Engagement zur Müllvermeidung und Mülltrennung zu wenig belohnt wird.

Das dritte Ziel war die Ermittlung der Kosten für ein Wiegesystem und die Abklärung mit den betroffenen Bürgern, ob es eine Bereitschaft gibt, eine durch die Müllverwiegung verursachte Erhöhung der Entsorgungskosten zu akzeptieren.

Projektinhalt

Im Rahmen dieses Projektes wurden in 9 Pilotgemeinden insgesamt 3.374 Restmüllsammelgefäße mit einem elektronischen Chip (Fa. Texas Instruments) markiert. Bei diesem einjährigen Großversuch waren 3.873 Haushalte bzw. 11.302 Einwohner beteiligt. Mit der Verwiegung der Restmülltonne wurde im Jänner 1992 gestartet und über den Zeitraum eines Jahres durchgeführt.

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