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Umweltrelevanz der dezentralen Kleinkompostierung

Kurzfassung

Einführung

Die getrennte Biomüllsammlung ist seit Jahren eine wesentliche Säule der Abfallwirtschaft in der Steiermark. Von Beginn an wurde die Umsetzungsstrategie in der Steiermark sehr dezentral aufgebaut und auch seitens des Landes entsprechend unterstützt. Laut steirischen Abfallerhebungen der letzten Jahre liegt der Anteil an Einzel- und Gemeinschaftskompostierung bei rund 50%.

Österreichweit werden laut Erhebungen für die Jahre 1998 bis 2000 (Amlinger et al., 2001 ) rd. 56 % das sind 770.000 t organische Abfälle - im eigenen Garten kompostiert . Aber auch hier gilt natürlich, dass die Umweltmedien Boden, Luft und Wasser im Hinblick auf eine nachhaltige Stoffflusswirtschaft entsprechend Beachtung finden. So werden in der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion auch immer wieder folgende Kritikpunkte gegenüber dieser dezentralen Kompostform formuliert:

  • mangelnde Hygienisierungsleistung durch unkontrollierte Temperatursteuerung
  • hoher spezifischer Flächenverbrauch
  • unkontrollierte flüssige Emissionen
  • Nährstoff- und Schadstoffanreicherung auf den zur Verfügung stehenden Gartenflächen
  • nicht kontrollierbare Emissionen von schädlichen und klimarelevanten Gasen
  • negative Energiebilanz auf Grund fehlender Nutzung des bei anaeroben Vergärungsverfahren gewonnenen und verstrombaren Methangases

Ziele

Bei unsachgemäßer Handhabung kann prinzipiell auch bei der Hausgartenkompostierung die Bildung anaerober Zonen im Rottekörper nicht verhindert werden und kann dadurch ein Potenzial für die Emission klimarelevanter Gase gegeben sein. Mit Hilfe der Untersuchung sollten vor allem über das Ausmaß der Emissionen klimarelevanter Gase Erfahrungswerte geschaffen werden. Andererseits sollte überprüft werden, inwiefern obige Aussagen relativiert und entsprechende Empfehlungen hinsichtlich der Optimierung des Systems gegeben werden können.

Mit den gewonnenen Daten kann somit der Beitrag der Hausgartenkompostierung zum nationalen Ausstoß an Treibhausgasen abgeschätzt werden. Zusätzlich wird der Frage der qualitativen Leistungsfähigkeit der Hausgartenkompostierung im Hinblick auf die Bildung von Sickerwasser, die Hygienisierungsleistung, die Qualität des Endproduktes und der Frage des Flächenbedarfs für eine ausgewogene Düngung unter praxisüblichen Bedingungen nachgegangen.

Inhalt

Es wurden 2 Messserien (HG-Bio 1 3. 9. 1999 – 24.3.2000 und HG-Bio 2: April 2000 – Juni 2001) durchgeführt. Die Kompostierung erfolgte in marktüblichen Holzsilos mit den Abmessungen 100 x 100 x 80 cm (0,8 m3). Zur Erfassung der Sickerwässer wurde der Boden mit Teichfolie ausgelegt, die Silos mit einem leichten Gefälle aufgestellt und mit einer Auffangrinne ausgestattet, über die das Sickerwasser in Auffangbehälter eingeleitet wurde. Die Befüllung erfolgte in wöchentlichen Gaben von durchschnittlich etwa 16 kg Wo-1Silo-1 Biotonnenmaterial aus einer Wohnbausiedlung ohne Privatgärten. Jede Zugabe wurde mit einer dünnen Schicht Häckselgut von ca. 1 cm (5 - 6 kg) abgedeckt.

Folgende Parameter wurden untersucht:

  • gasförmige Emission: CO2, Ammoniak (NH3), Methan (CH4), Lachgas (N2O)

Schlussfolgerungen und Empfehlungen auf Basis der Ergebnisse

Auch ohne eine vollständige Ökobilanzierung für die Hausgartenkompostierung im Vergleich mit einer zentralen Erfassung und Verarbeitung in Kompostierungs- bzw. Biogasanlagen angestellt zu haben, erscheinen folgende Aussagen und Empfehlungen zur Beurteilung der Hausgartenkompostierung hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Umwelt- und insbesondere Klimaschutz ausreichend absicherbar:

  • Je nach Entsorgungssystem und Kompostierungstechnologie liegen die gesamten Entsorgungs- und Verarbeitungskosten für getrennt gesammelte biogene Abfälle aus Haushalten zwischen 75,-- und 240,-- € pro Tonne. Die volkswirtschaftliche Entlastung der Abfallwirtschaft durch die Hausgartenkompostierung beträgt damit 58 bis zu 245 Mio. €.


  • Bei der dezentralen Rückführung von organischer Substanz und Nährstoffen in Form von Kompost im kleinen „Gartenkreislauf“ entfällt grundsätzlich der Verbrauch an Ressourcen für Transport, Anlagen- und Maschinenbau, sowie -betrieb, Vermarktungslogistik und zumindest zum Teil externe Düngemittel.


  • Die Möglichkeit der Überdüngung mit Mineraldünger im „unprofessionellen Hobbygarten“ ist gegenüber der Kompostdüngung auf Grund der fehlenden Humuswirkung und der hohen Nährstofflöslichkeit jedenfalls kritischer zu beurteilen.


  • Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft können an keinem Material so unmittelbar und durchschaubar nachvollzogen werden wie in der Kompostierung der Küchen- und Gartenabfälle im eigenen Garten. Damit kommt der Hausgartenkompostierung ein herausragender umweltpädagogischer Stellenwert zu. In dieser Hinsicht relativiert sich die Kritik eines hohen Flächenverbrauches pro verarbeitetem Material bei der Hausgartenkompostierung.


  • Es konnte gezeigt werden, dass die klimarelevanten Gasemissionen etwa 1/3 bis 1/5 der bisherigen Literaturangaben betragen. Dessen ungeachtet wies die Hausgartenkompostierung in den vorliegenden Untersuchungen höhere Emissionsfaktoren auf, als sie in Mietenkompostierungen mit regelmäßigem Umsetzvorgängen gefunden werden. Mit Verweis auf die angestellte Gesamtbilanz des Beitrags der HG-Kompostierung zum Treibhauseffekt (max. 0,18 %) und auf oben angeführte volkswirtschaftliche Überlegungen kann diese Tatsache keinesfalls als Argument für die verstärkte Sammlung biogener Abfälle aus Siedlungsstrukturen mit entsprechender Möglichkeit zur Eigenkompostierung herangezogen werden.


  • Ganz im Gegenteil, auch nach sorgfältiger Prüfung der Ergebnisse dieser Studie wäre dem Prinzip „Soviel Eigenkompostierung wie möglich ...“ in öffentlichkeitswirksamen Kampagnen der Abfallwirtschaft wieder verstärkt Raum zu geben. Im Rahmen von Beratungs- und Informationskampagnen sollten folgende (altbekannte) Optimierungsmaßnahmen kommuniziert werden:

    • Küchenabfälle oder frisches Mähgut nie alleine aufsetzen, immer zumindest 50 % trockene, eiweißarme, verholzte Materialien, alten Kompost, etwas Erde zugeben


    • Um einerseits Vernässung und Verdichtung, andererseits Nährstoffverluste zu vermeiden muss jede Kompostmiete oder der Kompostbehälter effektiv vor Regenwasser geschützt werden; für walmförmige Mieten genügt ein Kompostvlies oder Teppich; für Silos mit horizontaler Oberfläche muss eine wasserableitende Abdeckung angebracht werden


    • Ein Umsetzen des Haufwerks oder des Siloinhaltes sollte unmittelbar nach Befüllung eines Silos bzw. nach dem Aufsetzen von 1 m³, zumindest alle 12 Wochen erfolgen. Öfteres Umsetzen oder Durchmischen wäre zu bevorzugen


  • Eine Unterscheidung des bakteriologisch-mykologischen Status der HG-Komposte zu aus Kompostanlagen stammenden Komposten konnte nicht festgestellt werden. Aus hygienischen Gründen sollte das Jausnen während der Arbeit am Kompost grundsätzlich unterbleiben. Das Tragen von Handschuhen während und das Waschen der Hände nach der Kompostarbeit ist zu empfehlen.
  • Schließlich können die gewonnen Daten durch das Versuchsdesign als ausreichend zuverlässig und abgesichert angesehen werden. Dies sei insbesondere wie folgt begründet:

    • Die Messungen wurden in 2 Messserien, in einem Fall über ein ganzes Jahr und damit über alle jahreszeitlichen Witterungs- und Materialschwankungen und in 2 Messräumen mit unterschiedlicher Intensität geführt


    • Die Untersuchung des gesamten Systems mit dem vom Institut für Land-, Umwelt- und Energietechnik entwickelten und bereits in mehreren Projekten erfolgreich eingesetzten Erfassungs- und Gas-Analysesystem „open-dynamic-chamber-Prinzip“ liefert zuverlässige Messergebnisse. Mit vielen Unsicherheiten behaftet Umrechnungen und Korrekturfaktoren bei punktuellen Erfassungsmethoden entfallen.


    • In der Folge wird, auch wenn es wert wäre, einigen Detailfragen aus grundsätzlichem wissenschaftlichem Interesse noch nachzugehen, ein weiterer Forschungsbedarf zur Evaluierung der Hausgartenkompostierung hinsichtlich deren Klima- und Umweltrelevanz zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gesehen. Dies auch deswegen, da hier die direkten Gestaltungsmöglichkeiten im Gegensatz zur professionell betriebenen Kompostierung deutlich geringer sind.
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